Gelesen: Thomas Harris – Roter Drache

Berühmt geworden ist Thomas Harris spätestens durch die Verfilmung seines Romans Das Schweigen der Lämmer mit Sir Anthony Hopkins in der Rolle des Massenmörders und Doktors der Psychologie Hannibal Lecter. Roter Drache ist der erste Teil der Lecter-Trilogie, deren Romane inzwischen komplett den Weg auf Zelluloid gefunden haben.

Protagonist William Graham ist Sonderberater des amerikanischen FBI im Quasiruhestand, seit er bei der Verhaftung Lecters durch diesen schwer verletzt wurde. Wegen zweier Familienmorde, jeweils bei Vollmond verübt, die das FBI vor ein scheinbar unlösbares Rätsel stellen, überredet der Leiter der Ermittlungen Graham zur Rückkehr. Sie gelangen auf die Spur des Täters, der Hannibal Lecter verehrt und von diesem auf Graham aufmerksam gemacht wird. Doch die Verfolgung kostet Opfer und stellt Will Graham und seine Familie vor schwere Prüfungen.

Roter Drache ist atmosphärisch sehr dicht gestaltet; man hat kaum Zeit, Atem zu holen. Thomas Harris bietet einen tiefen Einblick sowohl in die Psyche von Täter, indem er dessen Vergangenheit ausführlich beleuchtet, als auch des Ermittlers, dessen innerer Kampf ein zentrales Thema des Romans darstellt. Gewiß nichts für schwache Gemüter, aber für alle anderen ein lesenswertes Buch.

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Ein Tag in Paris

Lieber Leser,

dies ist eine kurze Zusammenfassung meiner touristischen Eindrücke der Parisreise, die ich am 3. November 2002 angetreten habe.

Die Reise trete ich in aller Früh um 6:40 Uhr an, indem mich ein Taxi von zu Hause abholt und in die Bahnhofstraße nach Augsburg fährt, wo schon ungeduldig der Busfahrer an seinem Gefährt lehnt, da wir erst um exakt 7 Uhr eintreffen, der geplanten Abfahrtszeit. Die Fahrt zum Flughafen ist belanglos, ebenso wie das Einchecken, der Start, der Flug und die Landung - bis auf die schlechte Bodensicht aufgrund der geschlossenen Wolkendecke.

Am Pariser Flughafen, den ich im übrigen zwar häßlich, aber sehr interessant finde (Photos dazu folgen noch) mit all den diagonalen Passagierrollwegen, die auch schonmal einer Berg- und Talbahn gleichen, wartet auch schon der Fahrer, den die Firma netterweise bestellt hat. Auf diese Weise kann ich entspannt die Reise vom nordöstlichsten zum südwestlichen Ende von Paris verfolgen, vorbei am Stade de France, 1998 erbaut und bereits Architekturdenkmal für das 21. Jahrhundert, das übrigens 80000 Zuschauer faßt. Aus der Ferne ist auch schon der Tour Eiffel zu sehen.

Mein Hotel liegt unweit des Schlosses Ludwigs des XIV. in Versailles, und trägt bezeichnenderweise den Namen Résidence du Berry (Photos folgen). Lange hält es mich hier nicht, ich mache mich auf nach Paris. Nachdem mir am Bahnhof Gare Rive Gauche die Berlinerin am Schalter (!) erklärt hat, daß dieser geschlossen ist und ich den anderen nutzen solle, marschiere ich eben dorthin, um nur knapp den Zug zu verpassen und in den nächsten, der eigentlich um 12:42 Uhr eintreffen sollte, tatsächlich erst 13 Uhr kommt, einzusteigen. Nebenbei sei gesagt, dies mal wieder ein besonders häßlicher Bahnhof ist.

Nach einer halben Stunde Fahrt erreiche ich endlich den Gare Montparnasse, halte mich jedoch nicht lange auf, sondern begebe mich direkt in den Keller und nehme die Métro in Richtung Eiffelturm. Die Bahnen sind putzig, sehen aus wie Spielzeugeisenbahnen, oder wie aus einem Comic, wenn ich dazu komme, muß ich auch davon noch ein Photo machen. Sie fahren übrigens nicht immer im Untergrund, sondern auch ein gutes Stück als Hochbahn auf Stelzen in der zweiten Etage der Stadt.

Endlich ist das erste Ziel erreicht: Le tour Eiffel. Wer es noch nicht weiß: Gustave Eiffel errichtete den Eisenturm anno 1889 anläßlich der Weltausstellung. Eigentlich wollte man das Ding gleich nach der Ausstellung wieder abreißen, weil es das ganze Stadtbild verschandelte, aber irgendwie blieb er eben doch stehen, und hat seit dem immer wieder eine wichtige Rolle in Paris’ Geschichte gespielt, sei es wegen Funk- oder Radioübertragungen, als längster Fahnenmast der Welt für die Flagge Frankreichs, oder als außergewöhnliche Kunsteisbahn - das hatten die Pariser nämlich in den zwanziger Jahren auf der zweiten Ebene geschafft. Wie auch immer, nachdem an beiden Aufzugsäulen die Menschenschlangen nichts Gutes verheißen, nehme ich aus Gründen der Fitness eben die dritte Säule (frz. pilier), und damit die Stufen. Geht aber schneller, als man denkt, und schon steht man auf der ersten Etage, wo man rundherum nette Tafeln findet, auf denen Sehenswürdigkeiten in Sichtweite beschrieben sind. Nur blöd, daß die Tafeln nicht so recht mit der Aussicht zusammenpassen, alles ist um eine Achteldrehung verschoben. Nachdem mir das Restaurant Altitude 95 der Lage entsprechend abgehobene Preise, stapfe ich weiter auf die zweite Ebene, um dort dann in den Aufzug zur Spitze zu steigen. Aber auch dieses Vorhaben streiche ich, als ich sehe, daß die halbe Plattform am Aufzug ansteht. Schade eigentlich, aber ich will ja nicht den ganzen Nachmittag auf dem Turm verbringen.

Weiter geht es durch die Innenstadt, in der sich in Seitenstraßen so manch Kleinod verbirgt, in Richtung Seine. Die Séine, deren Ufer auf einer Länge von fast acht Kilometern zum Weltkulturerbe gehört, überspannen im Stadtgebiet von Paris insgesamt fünfunddreißig Brücken.

Die prunkvollste dürfte wohl die Pont Alexandre III sein, die mit ihren vier goldskulpturgekrönten Säulen den Weg zum Coeur de la Reine weist, dem Doppelpalast, der gerade renoviert und damit der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Macht aber nichts, wenn man einfach weitergeht, trifft man auf die letzten Meter der Champs Elysees. Soll toll sein, ist aber einfach nur eine ziemlich breite Allee. Weitaus beeindruckender, wenn auch nicht unbedingt schöner, ist nach einem Fußmarsch von zehn Minuten der Place de la Concorde, inklusive des aus Luxor importierten Obelisken. Was hätte man aus diesem Platz alles machen können! Stattdessen ist es die vielspurigste Straße in Paris, fast ohne Fahrbahnmarkierungen, was mit Sicherheit die Navigation sehr interessant macht.

Apropos Fahrbahnmarkierungen. Ich wußte ja schon immer, daß Franzosen eine etwas andere Einstellung zum Straßenverkehr haben als wir, aber die Auswahl des Ortes für die Reparatur seines Autos hat ein Pariser schon sehr eigenwillig gewählt.

Überquert man den Platz, befindet man sich am Eingang des Jardin des Tuliéres, jenem Park, der zum Musée du Louvre führt. Nun, Park ist ein wenig übertrieben, eigentlich ist sind es zwei Grünstreifen mit einem sehr breiten Sand- und Kiesweg in der Mitte, die Menschenmassen aufzunehmen vermag, die sich zum und vom Museum hin bzw. wegwälzen.

Am Ende dieses Gartens befindet sich der Arc de Triomphe du Caroussel, der meiner Ansicht nach sehr interessant ist. Denn ich dachte bisher immer, die Quadriga befände sich auf dem Brandenburger Tor in Berlin. Scheint aber nicht so zu sein, denn auf besagtem Bogen vor dem Louvre posieren die vier Pferde samt Wagenführerin und Engeln. Na, vielleicht muß ich da noch etwas nacharbeiten…

Was soll man zum Louvre noch sagen? Daß die Mona Lisa darin aufgehängt ist - selbstverständlich nur als Gemälde - weiß wohl ein jeder. Auch, daß den neugestalteten Eingangsbereich eine Pyramide überspannt, dürfte bekannt sein. Da ich ja nur so wenig Zeit habe, besuche ich das Museum diesmal nicht, vielleicht habe ich ja bei einer nächsten Reise mehr Zeit für Paris und seine Kunstschätze.

So führt mich mein Weg am Eingang vorbei, in den Innenhof der Gebäude, der Napoléon gewidmet ist. Und so schnell, wie ein Regenschauer kommt, so schnell geht er auch wieder. Und wenn dem so ist, hat man die Gelegenheit, einen fast vollständigen Regenbogen zu bestaunen, dessen Halbkreis einzig und allein von alten Mauern beschnitten ist.

Als der Regen abflaut, mache ich mich wieder auf den Weg, an der Seine entlang zur Ile de la Cité, die neben dem Präsidentenpalast auch die Kirche ,,Unserer lieben Frau“ beherbergt, die wohl besser unter ihrem französischen Namen Notre Dame bekannt ist. Auch dort, oder bessergesagt, darin schieben sich wieder Menschenmassen durch die Gänge, was durch die anwesenden Zuhörer des gleichzeitig in seinen letzten Akkorden liegenden Orgelkonzerts noch verstärkt wird. Da aber auch diese gotische Kirche letztendlich nur eine gotische Kirche ist, mit bunten Fenstern, dunklem Hauptschiff, vielen Seitenkapellen, riesigem Chorgestühl und Rundgang um den Hochaltar, und weil in fünf Minuten eine Andacht stattfindet, verlasse ich Notre Dame und mache mich in der Dämmerung auf in Richtung des Bahnhof Montparnasse. Der Weg dahin führt mich vorbei am Senat und dessen Garten Jardin du Luxembourg, sowie einem Crêpesstand, auf den Boulevard de Montparnasse, der von unzähligen Bars, Kneipen und Restaurants gesäumt wird. Am Bahnhof angelangt, versuche ich herauszufinden, wann denn nun von welchem Gleis mein Zug abfährt. Ein gar nicht so leichtes Unterfangen, wenn sich anscheinend gerade die Hälfte der Einwohner von Paris in der Bahnhofshalle aufhält. Als ich endlich einen Informationsschalter und den dazugehörigen Fahrkartenautomaten finde, muß ich feststellen, daß die potentiellen Fahrgäste vor mir so langsam bei der Bedienung des Automaten sind, daß ich auch diesen Zug wieder verpasse. Mißgelaunt verlasse ich den Bahnhof in Richtung Taxistand, nur um herauszufinden, daß man in Frankreich an einem Großstadtbahnhof sogar auf ein Taxi warten muß. Geht aber schneller als auf den nächsten Zug zu warten, also nehme ich eines, als ich an der Reihe bin. Der Fahrer, der weder Deutsch noch Englisch versteht, muß ersteinmal nachschauen, wo in Versailles die Straße meines Hotels ist, bringt mich aber dann doch recht zügig nach Hause, nicht ohne mir zu erklären, warum er beim Verlassen von Paris das Taxameter auf Hochgeschwindigkeit einstellt und ich schon vermute, daß das Gerät nun mit dem Raddrehzähler ohne Übersetzungsverhältnis gekoppelt ist.

Um 31 Euro erleichtert, kann ich endlich im Hotel einchecken, nachdem ich ja vormittags nur mein Gepäck untergestellt habe. Der Portier ist auch recht hilfreich bei der Empfehlung eines echt französischen Restaurants in der Nähe, das, wie ich leider feststellen muß, geschlossen hat, wie überhaupt alle Restaurants in Versailles die nicht direkt dem Bahnhof gegenüberliegen. Da mir der Hunger mittlerweile wieder abhanden gekommen ist, begnüge ich mich mit einem Mousse au Chocolat und einem Café au Lait dazu. Ein wesentlicher Vorteil dieses Landes ist übrigens, daß man auch am Sonntagabend um halb neun noch einen Tante-Emma-Laden findet, der geöffnet ist und meinen Durst mit totem Wasser zu stillen vermag. Als letzte touristische Handlung an diesem Tag bleibt mir nur noch, den Fernseher meines Zimmers zu testen und RTL und Phoenix als einzige empfangbare deutsche Sender zu identifizieren.

Damit soll es genug sein für einen Tag Paris…

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Gelesen: Hoimar von Ditfurth – Innenansichten eines Artgenossen

Mit „Innenansichten eines Artgenossen“ legte Hoimar von Ditfurth, Jahrgang 1921, erstmals komplett dar, was ihn während seines Lebens und Wirkens als Professor für Psychiatrie und Neurologie sowie als Wissenschaftspublizist beschäftigt hat. Von Ditfurth verstarb 1989.

Von Ditfurth zeichnet mit spitzer Feder im Gerüst einer Autobiographie ein umfassendes Bild unserer Gesellschaft und unserer Zivilisation, spickt Anekdoten seines ereignisreichen Lebens mit wissenschaftlicher Grundlagenforschung, und hält vor allem auch mit seiner eigenen Meinung nicht hinterm Berg. Er erklärt die Zusammenhänge des Nationalsozialismus, den er als Junge und junger Erwachsener sowohl in der Schule als auch als Sanitätssoldat miterlebt hat, mit den archaischen Verhaltensweisen, die zu dessen Verbreitung wesentlich beigetragen haben. Innenansichten eines Artgenossen ist ein Geschichtsbuch, ein Kompendium der Geistes- und Naturwissenschaften und doch in keinster Weise oberlehrerhaft geschrieben. Ditfurth räumt mit einigen Ammenmärchen wie den Thesen des Dr. Freud oder der angeblich so unwissenden Bevölkerung zu Zeiten des Dritten Reiches auf. Nicht zuletzt jedoch vermittelt Ditfurth, warum unser Staat so ist wie er jetzt ist, und wie unser jetziges politisches Weltbild manipuliert wurde, das viele der aktuellen Probleme verursacht.

Drei mal mußte ich ansetzen. Das erste Mal, 1989, als es bei uns ins Haus kam, war ich zu jung für dieses Buch. Einige Jahre später, als ich mich wieder daran erinnerte, war ich immer noch zu jung dafür. Lange hatte ich es nun vergessen, bevor ich es mir vor kurzem wieder in die Hände fiel. Und diesmal war ich soweit, es zu verstehen. Ich halte Innenansichten eines Artgenossen für eines der wichtigsten Bücher überhaupt, das jeder nach Möglichkeit unbedingt gelesen haben sollte. Die Art und Weise, in der Ditfurth Geschichte und Wissenschaft zu verbinden vermag, ist einzigartig und aufschlußreich.

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Gelesen: Paul Watzlawick – Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wahn, Täuschung, Verstehen.

Der Titel dieses Buches ist Programm. Was ist das, was wir als Wirklichkeit ansehen? Gibt es eine „objektive Wirklichkeit“? Wo liegen die Grenzen unseres Verstehens und Denkens? Auf unterhaltsame Weise, mit Hilfe von Anekdoten und Beispielen vermittelt Paul Watzlawick, Forschungsbeauftrager am Mental Research Institute in Palo Alto, CA, ein anderes Bild von Realität, das sich von unserer üblichen stark unterscheidet. Über vieles denken wir normalerweise nicht nach, sondern nehmen das meiste als gegeben hin. Verhaltensforscher, Philosophen und Physiker prägen unser Weltbild seit Jahrhunderten, doch alle Paradigmen sind stets im Fluß.

In drei Teile – Konfusion, Desinformation und Kommunikation – gegliedert, präsentiert Watzlawick unter anderem Beispiele aus geheimdienstlichen Tätigkeiten des 20. Jahrhunderts, sowie Ergebnisse psychologischer Experimente aus allen Etappen der Forschung.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? hat mich schwer beeindruckt. Vieles, was ich verstreut ab und an irgendwo aufgeschnappt hatte, finde ich in diesem Werk wieder. In meinen Augen ist es ein wichtiges Buch, weil es viele scheinbar gegebene und unabänderliche Wahrheiten relativiert, ohne ihre subjektive Korrektheit jedoch in jedem Fall in Frage stellen zu wollen. Denn Wirklichkeit ist nicht das, was ist, sondern das, was wir erleben.

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Gelesen: Scott Adams – Das Dilbert Prinzip

Das Dilbert Prinzip ist ein Wirtschaftsbuch. Aber ein ganz anderes. Scott Adams ist Cartoonist, und dieses Buch ist ein ironischer Leitfaden für das Wirtschaftsleben, gewürzt mit Adams’ Cartoons. Die Kapitel tragen Titel wie Demütigung, Machiavellistische Methoden oder Arbeit vortäuschen. Jeder wird die eine oder andere Begebenheit dieses Buches bereits einmal erlebt haben, z.B. daß zu einer Aussage „Ich rufe Sie an, wenn ich Bescheid weiß“ der fehlende Satzteil „… daß Sie nicht da sind“ gehört, oder daß das Motivationsprogramm Angestellter des Monats für die „Marionetten“-Kaste gedacht ist.

Mit spitzer Feder greift Adams alles auf, was einem im Büroalltag über den Weg läuft. Beißender Humor zeigt dem Leser, wie Vorgänge in der Firma, Worte von Vorgesetzten und Kollegen auch interpretiert werden könnten. Um bleibende Schäden für Arbeitsauffassung oder Moral zu vermeiden, sollte der geneigte Leser sicherstellen, daß er die Ironie versteht.

Bereits 1996 in der Originalausgabe „The Dilbert Principle“ erschienen, hat es nichts von seinem Witz verloren und ist meiner Meinung nach der Überlebensführer für den Arbeitsalltag.

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Gelesen: Andreas Eschbach – Das Jesus Video

Ein junger Hobbyarchäologe findet bei Ausgrabungen in Israel in einem 2000 Jahre alten Grab die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommt. Der Grabungsleiter, und der geldgebende Medienmogul sind davon überzeugt, daß das dazugehörige Gerät noch irgendwo vergraben sein muß. Was, wenn Jesus auf dem Video zu sehen ist? Es entbrennt ein Wettlauf um die Kamera zwischen dem Mogul und dem Hobbyarchäologen und schließlich auch dem Geheimdienst des Vatikan.

Wer einen geradlinigen und vorhersehbaren Handlungsverlauf erwartet, wird überrascht sein. Ausgezeichnet recherchiert hat Eschbach eine Geschichte geschaffen, die meiner Ansicht nach in besonderer Weise die Schicksale verschiedener Menschen verbindet. Sie alle haben unterschiedliche Ziele und Mittel, doch sie alle jagen nach ein Artefakt aus der nahen Zukunft, das seit 2000 Jahren irgendwo in Israel verborgen liegt. Es ist eine Geschichte von Menschen und einer Firma, die die Wahrheit am liebsten allein für sich beansprucht. Eschbach wird aber nie einseitig in seinen Beschreibungen, keine der Gruppen ist durchwegs „schlecht“, alles hat zwei Seiten, und am Ende ist es eben doch auch Glaubenssache.

Das Jesus Video war das Buch des Jahres 1998, hat den Kurd-Laßwitz-Preis erhalten und ich finde es äußerst lesenswert.

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Gelesen: Katie Hafner, Matthew Lyon – Arpa Kadabra, Die Geschichte des Internet

Mitte der 60er Jahre gab die Abteilung ARPA des US-Verteidigungsministeriums die Entwicklung eines Computernetzes in Auftrag, um die Supercomputer einiger amerikanischer Eliteuniversitäten miteinander zu verbinden. Dieses Netz ist die Grundlage dessen, was wir heute als das Internet kennen, ein zur damaligen Zeit revolutionäres Konzept, den Computer auch als Kommunikationsinstrument zu sehen und nicht auf bloßes Rechnen zu beschränken. Die Gruppe um J.C.R. Licklider, Menschen mit unterschiedlichsten Spezialisierungen, über das ganze Land verteilt, rief das ARPANET ins Leben, lange, bevor an Protokolle wie TCP/IP zu denken war.

In jedem Kapitel werden andere Persönlichkeiten und ihr Beitrag zur Entstehung des Netzes beschrieben. Aus faszinierenden Episoden fügt sich das gesamte Bild zusammen, die Autoren verstehen es, auch die technischen Inhalte einem breiteren Publikum verständlich zu machen. So gesehen ein Geschichts- und ein Geschichtenbuch, das nicht irgendwelche historischen Aufzählungen beinhaltet, sondern die Sorgen und Probleme realer Menschen, die das angefangen haben, was viele erst seit Mitte der 90er Jahre kennen.

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Die sogenannte neue Rechtschreibung – Eine Verordnung und ihr Unsinn

Rechtschreibreform versus Rechtschreibverordnung

Als ich gerade mit dem Abitur beschäftigt war kam die sogenannte Rechtschreibreform. Doch was ist eine Rechtschreibreform im eigentlichen Sinne? Es ist ein Niederschreiben von Schreibgepflogenheiten, die im Verlauf der Zeit von einem Großteil der Sprachverwender angewendet werden.

Was ist 1996 aber in Wirklichkeit passiert? Es ist eine neue Schreibung verordnet worden, und zwar gegen den Willen des Bundestages, namhafter Persönlichkeiten der Medienlandschaft sowie dem Großteil der Bevölkerung. Und außerdem war es eine Schlechtschreibreform.

Warum es die „neue Rechtschreibung“ nicht gibt

Sprache ist lebendig. Von daher kann es nie einen Punkt geben, an dem eine „neue Rechtschreibung“ in Kraft tritt. Das einzige Beispiel, was mir dazu einfällt, ist Neusprech aus dem Roman 1984 von George Orwell, doch beschreibt dieser einen totalitären Staat, von dem wir – Gottseidank – noch weit entfernt sind. Rechtschreibung ist im Prinzip nur die Dokumentation dessen, wie im allgemeinen geschrieben wird, also eine Art demokratisches Regelwerk.

Die Verordnung hat ihre Ziele verfehlt

Die Verordnung, die im Übrigen nur für Schulen gilt, existiert, um eine Schreibung durchzusetzen, die es ohne sie nicht gegeben hätte. Das Ziel der Verordnung war, die deutsche Sprache leichter verständlich und leichter erlernbar zu machen. Dies ist in beiden Fällen grob verfehlt worden. Konventionell schreibt man zum Beispiel nichtssagend für jemand farblosen und nichts sagend für jemanden, der schweigt. Zwangsreformiert gibt es nur noch nichts sagend. Wenn ich jetzt über jemanden schreibe, er sei nichts sagend, was meine ich dann? Soviel zur Verständlichkeit.

Und wie sieht es mit dem Lernen aus? Nehmen wir z.B. das scharfe ß. Hier wurde nur ein Regelsatz durch einen anderen ersetzt, mit der Folge, daß keine Vereinfachung eintritt, sondern nur Verwirrung. So habe sogar ich einige Zeit Grüsse statt richtig Grüße geschrieben, wie es sowohl konventionell als auch zwangsreformiert heißt.

Muß man die Amtsschreibung verwenden?

Ein ganz klares Nein! Es gibt kein Gesetz, sondern nur einen Erlaß, der die Schulen zum Lehren der zwangsreformierten Regeln verpflichtet. Damit wurde der beispiellose Sachverhalt geschaffen, daß an den Schulen eine andere Sprache gelehrt wird, als in der Gesellschaft verwendet. Selbst Beamte und Angestellte des Öffentlichen Dienstes sind nicht verpflichtet, sie können, müssen aber nicht. Es ist vielmehr bundesverfassungsgerichtlich festgestellt:

„Soweit dieser Regelung rechtliche Verbindlichkeit zukommt, ist diese auf den Bereich der Schulen beschränkt. Personen außerhalb dieses Bereichs sind rechtlich nicht gehalten, die neuen Rechtschreibregeln zu beachten und die reformierte Schreibung zu verwenden. Sie sind vielmehr frei, wie bisher zu schreiben. Auch durch die faktische Breitenwirkung, die die Reform voraussichtlich entfaltet, werden Sie daran nicht gehindert.“

Appell

Schreibt konventionell! Das Anwenden von oktroyierten Schreibregeln zeugt nicht von einem wachen Bürger, sondern von einem duckenden Untertan, der alles hinnimmt. Ich selbst habe einige Zeit zum Teil nach den zwangsreformierten Regeln geschrieben, und sie auch selbst als für nicht sinnvoll erachtet, da wirklich nichts vereinfacht wird. So habe ich mich dagegen entschieden.

Weitere Informationen

Eine umfangreiche Sammlung von Informationen und Argumenten findet sich auf der Seite von Hans-Jürgen Martin mit dem Titel Schriftdeutsch: Rechtschreibung und „Rechtschreibreform“.

Die komplette Rechtschreibung findet sich im Duden, 20. Auflage. Ab der 21. Auflage wurde vom bewährten Prinzip Abstand genommen, daß der Duden jenes Deutsch enthält, welches auch verwendet wird. Seit dem heißt es nicht mehr „Aufschreiben, was ist“, sondern „Aufschreiben, was sein soll“.

Update:

Dieser Artikel ist acht Jahre alt. Mittlerweile schreibe ich berufsbedingt öfter auch in der neuen Rechtschreibung. Seit der Reform-Reform darf nun eh jeder fast so schreiben, wie er will, und insgesamt bin ich deutlich entspannter geworden, was das Thema angeht.

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Gelesen: Allan und Barbara Pease – Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

Seit Monaten schon in den Bestsellerlisten, der ultimative Leitfaden vom Ehepaar Pease fürs Zusammenleben von Männern und Frauen. Ein echter Knüller, erklärt, warum Männer und Frauen verschieden sind. Dabei werden z.B. Situationen beschrieben wie: Beide liegen im Bett, er starrt an die Decke. Während sie eine halbe Seite sinniert, ob er überhaupt an ihr interessiert ist, und was ihre Verwandten damit zu tun haben, schaut er nur fasziniert einer Fliege zu, die mit dem Kopf nach unten landet.

Sehr empfehlenswert für alle, verstehen wollen, wie anders das andere Geschlecht denkt und warum das so ist. Und gleichzeitig so witzig geschrieben, daß es wahnsinnig unterhaltsam ist. Fazit: Sehr empfehlenswert.

Englischer Originaltitel: Why Men Don’t Listen and Women Can’t Read Maps

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Gelesen: Wolfgang Körner – Der einzig wahre Opernführer

Schon mal in der Oper gewesen und wieder nicht gewußt, um was es geht? Keine Ahnung, was es mit den Morden und Liebesreigen von Aida bis Zauberflöte auf sich hat? Wer mit wem und warum, das bietet in unterhaltsamer Form dieser Opernführer. Nach der ein- bis vierseitigen Inhaltsangabe folgen noch die wichtigsten Informationen in Kürze: Der Kurztext für sehr Nervöse, also die Oper in einem Satz, das klingt dann etwa für Othello so: „Schlampige Frau paßt nicht auf ihre Sachen auf und kommt dadurch ums Leben. (Zwei Tote)“. Dazu kommen noch Tips für Pausengespräche, etwa für die Dreigroschenoper: „Vergleich der Verhältnisse im alten London mit jenen in Deutschland nach dessen Wiedervereinigung.“

Kurzum: Ein brillantes und völlig unverkrampftes Nachschlagewerk, das mir schon so manchen Theaterabend gerettet hat.

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