Gelesen: Paul Watzlawick – Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wahn, Täuschung, Verstehen.

Der Titel dieses Buches ist Programm. Was ist das, was wir als Wirklichkeit ansehen? Gibt es eine „objektive Wirklichkeit“? Wo liegen die Grenzen unseres Verstehens und Denkens? Auf unterhaltsame Weise, mit Hilfe von Anekdoten und Beispielen vermittelt Paul Watzlawick, Forschungsbeauftrager am Mental Research Institute in Palo Alto, CA, ein anderes Bild von Realität, das sich von unserer üblichen stark unterscheidet. Über vieles denken wir normalerweise nicht nach, sondern nehmen das meiste als gegeben hin. Verhaltensforscher, Philosophen und Physiker prägen unser Weltbild seit Jahrhunderten, doch alle Paradigmen sind stets im Fluß.

In drei Teile – Konfusion, Desinformation und Kommunikation – gegliedert, präsentiert Watzlawick unter anderem Beispiele aus geheimdienstlichen Tätigkeiten des 20. Jahrhunderts, sowie Ergebnisse psychologischer Experimente aus allen Etappen der Forschung.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? hat mich schwer beeindruckt. Vieles, was ich verstreut ab und an irgendwo aufgeschnappt hatte, finde ich in diesem Werk wieder. In meinen Augen ist es ein wichtiges Buch, weil es viele scheinbar gegebene und unabänderliche Wahrheiten relativiert, ohne ihre subjektive Korrektheit jedoch in jedem Fall in Frage stellen zu wollen. Denn Wirklichkeit ist nicht das, was ist, sondern das, was wir erleben.

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Gelesen: Scott Adams – Das Dilbert Prinzip

Das Dilbert Prinzip ist ein Wirtschaftsbuch. Aber ein ganz anderes. Scott Adams ist Cartoonist, und dieses Buch ist ein ironischer Leitfaden für das Wirtschaftsleben, gewürzt mit Adams’ Cartoons. Die Kapitel tragen Titel wie Demütigung, Machiavellistische Methoden oder Arbeit vortäuschen. Jeder wird die eine oder andere Begebenheit dieses Buches bereits einmal erlebt haben, z.B. daß zu einer Aussage „Ich rufe Sie an, wenn ich Bescheid weiß“ der fehlende Satzteil „… daß Sie nicht da sind“ gehört, oder daß das Motivationsprogramm Angestellter des Monats für die „Marionetten“-Kaste gedacht ist.

Mit spitzer Feder greift Adams alles auf, was einem im Büroalltag über den Weg läuft. Beißender Humor zeigt dem Leser, wie Vorgänge in der Firma, Worte von Vorgesetzten und Kollegen auch interpretiert werden könnten. Um bleibende Schäden für Arbeitsauffassung oder Moral zu vermeiden, sollte der geneigte Leser sicherstellen, daß er die Ironie versteht.

Bereits 1996 in der Originalausgabe „The Dilbert Principle“ erschienen, hat es nichts von seinem Witz verloren und ist meiner Meinung nach der Überlebensführer für den Arbeitsalltag.

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Gelesen: Andreas Eschbach – Das Jesus Video

Ein junger Hobbyarchäologe findet bei Ausgrabungen in Israel in einem 2000 Jahre alten Grab die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommt. Der Grabungsleiter, und der geldgebende Medienmogul sind davon überzeugt, daß das dazugehörige Gerät noch irgendwo vergraben sein muß. Was, wenn Jesus auf dem Video zu sehen ist? Es entbrennt ein Wettlauf um die Kamera zwischen dem Mogul und dem Hobbyarchäologen und schließlich auch dem Geheimdienst des Vatikan.

Wer einen geradlinigen und vorhersehbaren Handlungsverlauf erwartet, wird überrascht sein. Ausgezeichnet recherchiert hat Eschbach eine Geschichte geschaffen, die meiner Ansicht nach in besonderer Weise die Schicksale verschiedener Menschen verbindet. Sie alle haben unterschiedliche Ziele und Mittel, doch sie alle jagen nach ein Artefakt aus der nahen Zukunft, das seit 2000 Jahren irgendwo in Israel verborgen liegt. Es ist eine Geschichte von Menschen und einer Firma, die die Wahrheit am liebsten allein für sich beansprucht. Eschbach wird aber nie einseitig in seinen Beschreibungen, keine der Gruppen ist durchwegs „schlecht“, alles hat zwei Seiten, und am Ende ist es eben doch auch Glaubenssache.

Das Jesus Video war das Buch des Jahres 1998, hat den Kurd-Laßwitz-Preis erhalten und ich finde es äußerst lesenswert.

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Gelesen: Katie Hafner, Matthew Lyon – Arpa Kadabra, Die Geschichte des Internet

Mitte der 60er Jahre gab die Abteilung ARPA des US-Verteidigungsministeriums die Entwicklung eines Computernetzes in Auftrag, um die Supercomputer einiger amerikanischer Eliteuniversitäten miteinander zu verbinden. Dieses Netz ist die Grundlage dessen, was wir heute als das Internet kennen, ein zur damaligen Zeit revolutionäres Konzept, den Computer auch als Kommunikationsinstrument zu sehen und nicht auf bloßes Rechnen zu beschränken. Die Gruppe um J.C.R. Licklider, Menschen mit unterschiedlichsten Spezialisierungen, über das ganze Land verteilt, rief das ARPANET ins Leben, lange, bevor an Protokolle wie TCP/IP zu denken war.

In jedem Kapitel werden andere Persönlichkeiten und ihr Beitrag zur Entstehung des Netzes beschrieben. Aus faszinierenden Episoden fügt sich das gesamte Bild zusammen, die Autoren verstehen es, auch die technischen Inhalte einem breiteren Publikum verständlich zu machen. So gesehen ein Geschichts- und ein Geschichtenbuch, das nicht irgendwelche historischen Aufzählungen beinhaltet, sondern die Sorgen und Probleme realer Menschen, die das angefangen haben, was viele erst seit Mitte der 90er Jahre kennen.

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Die sogenannte neue Rechtschreibung – Eine Verordnung und ihr Unsinn

Rechtschreibreform versus Rechtschreibverordnung

Als ich gerade mit dem Abitur beschäftigt war kam die sogenannte Rechtschreibreform. Doch was ist eine Rechtschreibreform im eigentlichen Sinne? Es ist ein Niederschreiben von Schreibgepflogenheiten, die im Verlauf der Zeit von einem Großteil der Sprachverwender angewendet werden.

Was ist 1996 aber in Wirklichkeit passiert? Es ist eine neue Schreibung verordnet worden, und zwar gegen den Willen des Bundestages, namhafter Persönlichkeiten der Medienlandschaft sowie dem Großteil der Bevölkerung. Und außerdem war es eine Schlechtschreibreform.

Warum es die „neue Rechtschreibung“ nicht gibt

Sprache ist lebendig. Von daher kann es nie einen Punkt geben, an dem eine „neue Rechtschreibung“ in Kraft tritt. Das einzige Beispiel, was mir dazu einfällt, ist Neusprech aus dem Roman 1984 von George Orwell, doch beschreibt dieser einen totalitären Staat, von dem wir – Gottseidank – noch weit entfernt sind. Rechtschreibung ist im Prinzip nur die Dokumentation dessen, wie im allgemeinen geschrieben wird, also eine Art demokratisches Regelwerk.

Die Verordnung hat ihre Ziele verfehlt

Die Verordnung, die im Übrigen nur für Schulen gilt, existiert, um eine Schreibung durchzusetzen, die es ohne sie nicht gegeben hätte. Das Ziel der Verordnung war, die deutsche Sprache leichter verständlich und leichter erlernbar zu machen. Dies ist in beiden Fällen grob verfehlt worden. Konventionell schreibt man zum Beispiel nichtssagend für jemand farblosen und nichts sagend für jemanden, der schweigt. Zwangsreformiert gibt es nur noch nichts sagend. Wenn ich jetzt über jemanden schreibe, er sei nichts sagend, was meine ich dann? Soviel zur Verständlichkeit.

Und wie sieht es mit dem Lernen aus? Nehmen wir z.B. das scharfe ß. Hier wurde nur ein Regelsatz durch einen anderen ersetzt, mit der Folge, daß keine Vereinfachung eintritt, sondern nur Verwirrung. So habe sogar ich einige Zeit Grüsse statt richtig Grüße geschrieben, wie es sowohl konventionell als auch zwangsreformiert heißt.

Muß man die Amtsschreibung verwenden?

Ein ganz klares Nein! Es gibt kein Gesetz, sondern nur einen Erlaß, der die Schulen zum Lehren der zwangsreformierten Regeln verpflichtet. Damit wurde der beispiellose Sachverhalt geschaffen, daß an den Schulen eine andere Sprache gelehrt wird, als in der Gesellschaft verwendet. Selbst Beamte und Angestellte des Öffentlichen Dienstes sind nicht verpflichtet, sie können, müssen aber nicht. Es ist vielmehr bundesverfassungsgerichtlich festgestellt:

„Soweit dieser Regelung rechtliche Verbindlichkeit zukommt, ist diese auf den Bereich der Schulen beschränkt. Personen außerhalb dieses Bereichs sind rechtlich nicht gehalten, die neuen Rechtschreibregeln zu beachten und die reformierte Schreibung zu verwenden. Sie sind vielmehr frei, wie bisher zu schreiben. Auch durch die faktische Breitenwirkung, die die Reform voraussichtlich entfaltet, werden Sie daran nicht gehindert.“

Appell

Schreibt konventionell! Das Anwenden von oktroyierten Schreibregeln zeugt nicht von einem wachen Bürger, sondern von einem duckenden Untertan, der alles hinnimmt. Ich selbst habe einige Zeit zum Teil nach den zwangsreformierten Regeln geschrieben, und sie auch selbst als für nicht sinnvoll erachtet, da wirklich nichts vereinfacht wird. So habe ich mich dagegen entschieden.

Weitere Informationen

Eine umfangreiche Sammlung von Informationen und Argumenten findet sich auf der Seite von Hans-Jürgen Martin mit dem Titel Schriftdeutsch: Rechtschreibung und „Rechtschreibreform“.

Die komplette Rechtschreibung findet sich im Duden, 20. Auflage. Ab der 21. Auflage wurde vom bewährten Prinzip Abstand genommen, daß der Duden jenes Deutsch enthält, welches auch verwendet wird. Seit dem heißt es nicht mehr „Aufschreiben, was ist“, sondern „Aufschreiben, was sein soll“.

Update:

Dieser Artikel ist acht Jahre alt. Mittlerweile schreibe ich berufsbedingt öfter auch in der neuen Rechtschreibung. Seit der Reform-Reform darf nun eh jeder fast so schreiben, wie er will, und insgesamt bin ich deutlich entspannter geworden, was das Thema angeht.

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Gelesen: Allan und Barbara Pease – Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

Seit Monaten schon in den Bestsellerlisten, der ultimative Leitfaden vom Ehepaar Pease fürs Zusammenleben von Männern und Frauen. Ein echter Knüller, erklärt, warum Männer und Frauen verschieden sind. Dabei werden z.B. Situationen beschrieben wie: Beide liegen im Bett, er starrt an die Decke. Während sie eine halbe Seite sinniert, ob er überhaupt an ihr interessiert ist, und was ihre Verwandten damit zu tun haben, schaut er nur fasziniert einer Fliege zu, die mit dem Kopf nach unten landet.

Sehr empfehlenswert für alle, verstehen wollen, wie anders das andere Geschlecht denkt und warum das so ist. Und gleichzeitig so witzig geschrieben, daß es wahnsinnig unterhaltsam ist. Fazit: Sehr empfehlenswert.

Englischer Originaltitel: Why Men Don’t Listen and Women Can’t Read Maps

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Gelesen: Wolfgang Körner – Der einzig wahre Opernführer

Schon mal in der Oper gewesen und wieder nicht gewußt, um was es geht? Keine Ahnung, was es mit den Morden und Liebesreigen von Aida bis Zauberflöte auf sich hat? Wer mit wem und warum, das bietet in unterhaltsamer Form dieser Opernführer. Nach der ein- bis vierseitigen Inhaltsangabe folgen noch die wichtigsten Informationen in Kürze: Der Kurztext für sehr Nervöse, also die Oper in einem Satz, das klingt dann etwa für Othello so: „Schlampige Frau paßt nicht auf ihre Sachen auf und kommt dadurch ums Leben. (Zwei Tote)“. Dazu kommen noch Tips für Pausengespräche, etwa für die Dreigroschenoper: „Vergleich der Verhältnisse im alten London mit jenen in Deutschland nach dessen Wiedervereinigung.“

Kurzum: Ein brillantes und völlig unverkrampftes Nachschlagewerk, das mir schon so manchen Theaterabend gerettet hat.

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Gelesen: Bill Bryson – Streiflichter aus Amerika. Die USA für Anfänger und Fortgeschrittene.

Eine Sammlung von Kolumnen, die Bill Bryson für Mail on Sunday geschrieben hat. Bill Bryson, der lange in England lebte, legt hier eine Art „Ansichten eines Re-Immigranten“ vor. Köstliche Begebenheiten des Alltags und Marotten seiner Landsleute werden hier mit einem Augenzwinkern beleuchtet. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einer anderen Eigenheit, wie z.B. der Fernsehgläubigkeit oder den Eßgewohnheiten.

Wenn man bereits in den USA gewesen ist, werden einem viele Eigenschaften bekannt vorkommen, und wer noch nicht da war, kann dieses Buch getrost als einen satirisch überspitzten Kulturführer hernehmen. Ich finde es hervorragend.

Englischer Originaltitel: I’m a Stranger Here Myself: Notes on Returning to America After Twenty Years Away

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Gelesen: Joanne Harris – Chocolat

Seit der zauberhaften Verfilmung von Lasse Hallström hat dieser Roman größere Verbreitung erlangt. Vianne Rocher und ihre Tochter Anouk eröffnen zu Beginn der Fastenzeit in einem kleinen, verschlafenen Städtchen im Frankreich der 50er Jahre eine Confisserie. Das stößt bei den Einwohnern, besonders aber beim örtlichen Priester auf Widerstand. Nach und nach jedoch erliegen die Menschen der Versuchung der Schokolade. Als Vianne zu anlandenden Flußnomaden hält, kommt es zum Eklat.

Das Buch spannt den Bogen von Faschingsdienstag bis Ostersonntag. Joanne Harris Sprache verbindet das Englische mit den französischen Begriffen und läßt eine bezaubernde Atmosphäre entstehen. Besonders für mich als Nichtromantiker eine faszinierende Lektüre.

Deutsche Ausgabe: Chocolat. Das Buch zum Film.

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