EPS Writer für Windows

EPS einfach automatisch erzeugen

Jeder, der LaTeX unter Windows nutzt, kennt das Problem: Die meisten Anwendungen, mit denen man seine Graphiken erstellt, können kein EPS exportieren, und wenn man sich einen PostScript-Drucker einrichtet, stimmt die BoundingBox nicht und man muß jedes Mal per Hand nacharbeiten, was sich bei einer großen Anzahl von Graphiken als überaus lästig erweist.

Doch Abhilfe naht. Denn ähnlich wie das Erzeugen von PDF läßt sich auch diese Aufgabe automatisieren.

Zutaten

Folgendes wird benötigt:

  • GhostScript. Unterliegt der GPL und gibt’s von der Ghostscript Website. Einfach nach “Obtaining the latest GPL version” und dann nach der Windows-Version Ausschau halten.
  • RedMon Redirection Port Monitor unter der AFPL von Russel Langs Seite. Am besten auf deutsch ziehen, dann gibt es mit den Erklärungen hier keine Probleme.
  • ps2eps, von Roland Bless ist ein Perlskript, welches PostScript in Encapsulated PostScript transformiert. Liegt in jedem Spiegel des CTAN-Archiv, die Kurzbeschreibung im TeX Catalogue.
  • Perl. Am einfachsten nimmt man hier die Distribution ActivePerl von ActiveState. Kleiner Tipp: Beim Herunterladen muß man keine persönlichen Daten angeben, man kann auch so auf „Weiter“ klicken.

Installation der Zutaten

  1. GhostScript installieren. Die Standardwerte der Installation können alle übernommen werden. Danach muß noch das Verzeichnis c:\gs\gs8.51\bin (oder wo auch immer hininstalliert wurde) in den Suchpfad aufgenommen werden. Also in Start → Einstellungen → Systemsteuerung → System → Erweitert → Umgebungsvariablen der Zeile PATH den entsprechenden Verzeichnisnamen hinzufügen. Wichtig: Die Umgebungsvariable des Systems ändern, nur die des Benutzers reicht nicht aus.
  2. Das RedMon Ziparchiv in ein temporäres Verzeichnis entpacken und setup.exe aufrufen. Dies installiert einen weiteren verfügbaren Druckeranschluß.
  3. ActivePerl installieren. Im Prinzip können alle Voreinstellungen übernommen werden, wer jedoch Platz sparen will, kann in der Ausstattungsauswahl alles abwählen, was sich abwählen läßt.
  4. Aus dem ps2eps-Zip-Archiv die Datei bin\win32\bbox.exe in ein Verzeichnis entpacken, das bereits im Suchpfad enthalten ist. Im Zweifelsfall also das Windowsverzeichnis c:\Windows. Als zweites die Datei bin\ps2eps entpacken in ein beliebiges Verzeichnis. Bei mir ist dies in beiden Fällen c:\tools\bin, tut aber nichts zur Sache.

Einrichten des EPS Druckers

Die Einrichtung geht nun wie folgt von statten:

  1. Einen neuen Drucker einrichten:
    1. Start → Einstellungen → Drucker → Neuer Drucker
    2. Lokalen Drucker ohne automatische Erkennung wählen.
    3. Einen neuen Anschluß hinzufügen vom Typ „Umgeleiteter Anschluß“ (bzw. „Redirected Port“ bei der englischen Version). Den neu erstellten Anschluß konfigurieren wie folgt:
      • Als Programm wählt man für Windows XP C:\Windows\system32\cmd.exe oder für Windows 2000 C:\WINNT\system32\cmd.exe, oder wo auch immer das Windowsverzeichnis beheimatet ist.
      • Als Argumente gibt man ein:/c perl.exe c:\tools\bin\ps2eps -f -B -q -P -F > "%1"Was bei mir c:\tools\bin heißt, ist natürlich zu ersetzen durch das Verzeichnis, wo man das ps2eps-Skript hinkopiert hat.
      • Als Ausgabe wählt man „Prompt for filename“.
      • Der Ablauf ist „Hintergrund“.
      • Die „Ausführung als Benutzer“ ist aktiv.

      Anschlußeinstellungen für den EPS Writer

    4. Bei Druckermodell auswählen wählt man den Apple Color LaserWriter 12/600
    5. Der Druckername wird am besten „EPS Drucker“
    6. Keine Testseite drucken lassen.
  2. Für den neu angelegten „EPS Drucker“ die Druckereigenschaften öffnen. Im Reiter Erweitert die Standardwerte öffnen und bei Erweitert-PostScript-Optionen als Ausgabeoption „Portabilität optimieren“ wählen. Außerdem muß unter „Farbverwaltung“ der Wert für „ICM-Methode“ auf „ICM ausgeschaltet“ gesetzt werden, da es sonst zu Farbverfälschungen kommen kann.

Fertig. Zum Testen einfach aus irgendeiner Anwendung heraus auf den neuen „EPS Drucker“ drucken, als Dateiname die Erweiterung .eps angeben. Die erzeugten Dateien lassen sich problemlos mit epstopdf nach PDF wandeln.

Benutzung

Die meisten Anwendungen unterstützen beim Drucken eine Option der Art „Nur Auswahl drucken“, genau diese kann benutzt werden, um einzelne Teile in ein EPS zu gießen. Beim Acrobat Reader beispielsweise bedient man sich dazu des „Schnappschuß-Werkzeugs“.

Versalzen?

Sollte etwas nicht gehen, sind folgende Fehler wahrscheinlich:

  • Die PostScript-Ausgabe steht nicht auf „Portabilität optimieren“. Beheben in den Druckereigenschaften.
  • Der Anschluß verweist nicht auf den richtigen Pfad zu cmd.exe. Beheben in den Anschlußeigenschaften.
  • Das Programmargument verweist nicht auf den richtigen Pfad zu ps2eps. Beheben in den Anschlußeigenschaften.
  • bbox.exe ist in einem Verzeichnis installiert, das nicht im Suchpfad enthalten ist. Umkopieren.
  • Irgendein Datei- oder Verzeichnisname enthält ein Leerzeichen. Das ist generell zu vermeiden.
  • Irgendeine Option für Ghostscript wurde in falscher Groß-/Kleinschreibung angegeben. Bitte korrigieren, Ghostscript will genau die Schreibweise!

Sollte noch ein anderer Fehler auftreten, so empfehle ich, Google oder Google Groups zu konsultieren und zu sehen, ob jemand anders schon auf dasselbe Problem gestoßen ist.

In den Anschlußeigenschaften kann ein Logfile mit Debug angegeben werden, welches dann mehr Informationen bietet. Mit diesem gestaltet sich die Fehlersuche wesentlich einfacher.

Wenn eine Erklärung auf dieser Seite unklar ist, helfe ich selbstverständlich gerne weiter (nur mit Logfile!).

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6 Responses to EPS Writer für Windows

  1. Jan Burgert says:

    Wow wie immer ein informativer Text. Wenn doch nur alle Texte so schön zu lesen wären. Gruß Jan Burgert

  2. Casio says:

    Gibt es einen alternativen Weg ohne Redmon Port Monitor? Das Programm scheint unter Windows7 nicht mehr zu funktionieren. Danke.

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