LaTeX/TeX unter Windows 7 – mein komplettes Setup

LATEX zu benutzen ist das eine, dafür gibt es hervorragende Einführungen. Was benötigen Sie für die Installation eines LATEX-Systems unter Windows? Was mache ich mit MiKTEX, wozu brauche ich Ghostscript, was ist TeXmaker, und warum schwören viele auf Emacs und vor allem wie paßt alles zusammen?

Diese Anleitung soll die Suche ersparen und zeigt Schritt für Schritt, was Sie alles brauchen und wie Sie die einzelnen Komponenten einrichten und benutzten.

Wenn Ihnen diese Anleitung hilft, gefällt Ihnen bestimmt auch mein Buch »Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LATEX«, in der 3., überarbeiteten Auflage erschienen im mitp-Verlag, ISBN 978-3826658921.

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LaTeX/TeX for Windows 7 – a complete setup

To use LATEX is one thing, and very good introductions exist for learning. But what do you need for installing a LATEX system on Windows? What do I do with MiKTEX, why do I need Ghostscript, what’s TeXmaker, and why many people favor Emacs, and above all, how does everything fit together?

This tutorial shall save the search an show step by step what you need and how to setup and use the individual components.

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6 Gründe warum Inhalt und Layout getrennt sein sollten (und in LaTeX sind)

LaTeX (ausgesprochen »Lah-Tech«) ist anders als Textverarbeitungsprogramme. Ganz anders. In einem Textverarbeitungsprogramm wie Word™ schreiben Sie Ihren Text und bestimmen gleichzeitig das Aussehen Ihres Dokuments. Da Sie jede Änderung des Dokuments sofort sehen können, spricht man hier gemeinhin von What-you-see-is-what-you-get (WYSIWYG).

Warum das eigentlich zwei Aufgaben sind, lesen Sie hier.

  1. Das Lesen eines Dokuments soll ermüdungsfrei und angenehm sein. Diese Forderung kommt zum inhaltlichen Anspruch einer wissenschaftliche Arbeit dazu. Das Layout des Dokuments hat also in erster Linie diesen Zweck zu erfüllen, nicht besonders auffällig oder künstlerisch extravagant zu sein. Nicht umsonst war und ist die Gestaltung eines Schriftstücks als auch dessen Satz eine Handwerkskunst, die seit Jahrhunderten verfeinert wird. Seit es Textverarbeitungsprogramme gibt, ist diese Trennung der Aufgaben nicht mehr gewährleistet, was uns zum nächsten Grund bringt.
  2. LaTeX stellt die ursprüngliche Trennung der Aufgaben von Schreiben und Satz wieder her. Während des Schreibens konzentrieren sich allein auf Inhalt und Bedeutung des Textabschnitts, und kümmern sich zunächst nicht darum, wie etwas später aussehen soll. Sie werden sehen, wie das Schreiben an Qualität gewinnt, sobald der Kopf frei dafür ist, eben weil Sie nicht immer das endgültige Aussehen vor sich haben. Seien sie ehrlich: Wie oft mussten Sie bis jetzt die inhaltliche Arbeit an einem Text unterbrechen, weil Sie zum Beispiel am Layout einer Tabelle feilten? LaTeX trennt den Inhalt vom Layout, stellt aber die Option zur Verfügung, jederzeit eine Voransicht zu erzeugen, die Sie am Bildschirm begutachten oder drucken können.
  3. In LaTeX steht der Inhalt im Vordergrund, und die logische Struktur des Textes. Sie sehen die Ausgabe während des Schreiben nicht immer vor sich. Die Struktur geben Sie über sogenanntes Markup vor, Sie fügen dafür Layoutbefehle ein. Der Gestalter – LaTeX – nimmt dieses Markup und interpretiert dieses, stellt das Layout zusammen und legt fest, wie die einzelnen Textteile auszusehen haben. Der Setzer – TeX – erstellt die druckfertige Ausgabe aus den Anweisungen des Gestalters. Nachteilig mag erscheinen, dass man die Layoutbefehle kennen muss. Doch unterstützen Sie dabei spezielle Editoren für LaTeX, die Menüs, Knopfleisten und Tastaturkürzel bieten.
  4. LaTeX gewährleistet Portabilität und Sicherheit. Textverarbeitungsprogramme speichern ihre Dokumente in sogenannten Binärdateien, also Dateien, die man nur mit dem Programm lesen kann, mit dem sie auch gespeichert wurden. Ist die Datei defekt, weil beispielsweise durch den Absturz eines Programms oder des Betriebssystems Teile durcheinander gekommen sind oder fehlen, ist das Dokument in der Regel verloren.
    LaTeX wird in lesbaren Textdateien gespeichert, aus welchen später die Ausgabe erzeugt wird. Diese Textdateien können mit jedem beliebigen Editor bearbeitet werden. Selbst wenn ein partieller Datenverlust entsteht, können Sie mit dem Rest weiterarbeiten. Dieses Speichern in einfachen Textdateien sorgt auch dafür, dass LaTeX-Dokumente unter jedem Betriebssystem bearbeitet werden können (auch auf dem iPhone oder Android!), selbst wenn kein LaTeX-System vorhanden ist. Aus dem gleichen Grund sind mit LaTeX gesetzte Dokumente immer reproduzierbar, selbst Jahre später. Ein Einzelfällen kann es sein, dass Sie Befehle oder Pakete austauschen müssen, doch den Text selbst werden Sie unberührt lassen können.
  5. Selbst das Bearbeiten von umfangreichen Dokumenten mit mehreren hundert oder tausend Seiten ist unter LaTeX problemarm. Diese
    Zuverlässigkeit ist ebenfalls ein Ergebnis der Trennung von Inhalt und Layout, weil Sie beim Schreiben keinen grafischen Ballast mit sich tragen müssen.
  6. Die Trennung von Text, Layout und Satz hält das System modular. Seit über fünfundzwanzig Jahren ist das Satzprogramm TeX ein stabiles und annähernd fehlerfreies Programm. Donald E. Knuth hat es seinerzeit für sein Buch »The Art of Computer Programming« entwickelt, weil es kein vernünftiges System für den rechnergestützten Satz von Büchern und mathematischen Formeln gab. Da TeX aber schwierig zu benutzen ist, wurde vor Anfang der 1990er LaTeX als Aufsatz für die Gestaltung entwickelt. LaTeX machte es wesentlich einfacher, das Satzprogramm anzuwenden. Hierfür wiederum entstanden seitdem viele Erweiterungen für fast alle Arten von Dokumenten. Fortlaufend erfährt das Programm Verbesserungen und Veränderungen aus aller Welt. Leistungsfähige Pakete und Programme erlauben das Erzeugen von PDF inklusive Hyperlinks, Zitierstile aller Art, spezielle Formatierungen, ziemlich alle Schreibweisen der Erde, und so weiter. Wie’s geht, steht in meinem Buch Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX.
    Die Weiterentwicklungen werden gemeinnützig gefördert von den Vereinen namens TeX User Groups. Die deutsche User Group heißt Dante e. V., Deutsche Anwendervereinigung TeX. Werden Sie Mitglied oder spenden Sie an Dante e. V., wenn Sie etwas an die Gemeinschaft zurückgeben wollen.

In neuerer Zeit erkennen sogar Textverarbeitungsprogramme die Vorteile der Trennung: in den Dokumentformaten sowohl von OpenOffice.org als auch Microsoft Office Word, bei denen XML-Dateien in ein Archiv gepackt sind, existieren separate XML-Dateien für den Text und für die anzuwendenden Formatierungen.

Gefallen Ihnen die Gedanken zu Layout und Satz und Sie wollen mehr über die Umsetzung in LaTeX wissen? Dann lesen Sie mein Buch Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX, so wie schon tausende andere Leser.

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Manchmal muß es kommerzielle Software sein: Grafiktablett mit GIMP vs. Photoshop Elements unter Mac OS X

Das ist genau die Frage: Wo genau malt der Mauszeiger?

Ich bin umgestiegen. Nachdem ich fast zehn Jahre lang zufrieden GIMP verwendete, musste ich nun auf Adobe Photoshop Elements wechseln.

Das heißt ich habe eine freie, kostenlose Software durch eine kommerzielle ersetzt. Obschon ich selbst im Hauptberuf mithelfe, MATLAB & Simulink, also kommerzielle Software, unter die Leute zu bringen, habe ich es nun zum ersten mal selbst erlebt, dass eine freie Software meine Bedürfnisse nicht mehr erfüllen konnte.

Warum? Weil ich mein Wacom Grafiktablett verwenden möchte, welches unter Windows 2000 wunderbar mit der Windows-Version von GIMP seinen Dienst versah, jedoch nicht mehr richtig unter Mac OS X.

Ja, ich mochte GIMP. Ja, ich kam gut mit GIMP zurecht, es tat alles, was ich brauchte. Eigene Makros habe ich zwar nie umfänglich nutzen können, da ich mich dazu mehr mit Lisp-Programmierung hätte auseinandersetzen müssen, doch für meine Zwecke der Fotonachbearbeitung reichte GIMP mehr als aus. Doch leider läuft GIMP unter Mac OS X im sogenannten X-Server, einer von Unix und Linux bekannten grafischen Oberfläche. Da Mac OS X ein Unixoid ist, fällt es verhältnismäßig leicht, Anwendungen zu portieren. Doch manches hakt eben. In meinem Fall kommen die Steuersequenzen des Grafiktabletts nicht vernünftig im X-Server und damit in GIMP an, der Mauszeiger bewegt sich entweder gar nicht oder um eine Sekunde verzögert. Dass damit ein Arbeiten fast unmöglich wird, dürfte klar sein. Ob nun GIMP, GTK, Apples X-Server oder Mac OS X allein dafür verantwortlich sind oder eben die Kombination, ist für mich unerheblich.

Zwar finden sich im Netz an wenigen Stellen Hinweise auf ähnliche Probleme, doch zur Lösung trug bislang keine der Fundstellen bei. Es scheint einfach daran zu liegen, dass es bis dato keine native Portierung von GIMP auf Mac OS X gibt, als eine, die ohne den X-Server auskommt. Freie Software heißt zwar auch, dass ich selbst Hand anlegen könnte, doch freie Software benötigt dann eben auch genügend freie Zeit zum Programmieren und vorher einarbeiten.

So wechselte ich ohne Groll, denn ebensowenig wie ich Zeit, Muße und das Können habe, GIMP wirklich auf den Mac zu bringen, so hat es im Moment wohl auch niemand anders. Das ist einfach einer der Nachteile freier Software: Wenn sich keiner findet, dem das bestimmte Feature Spaß macht, dann gibt es dies auch nicht.

Für mich gab das den Ausschlag, mir Adobe Photoshop Elements zuzulegen. Dass dies wie gewünscht mit dem Grafiktablett harmoniert, konnte ich anhand einer kurzen Testinstallation rasch klären. Und was bedeuten schon die paar Euro gegenüber eingesparter Zeit und Nerven.

Manchmal hilft eben kommerzielle Software weiter als freie. Beides hat seine Berechtigung. Dogmatismus ist überflüssig.

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9 Wege zum effizienten Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten mit BibTeX/LaTeX

Beispiel eines Literaturverzeichnisses mit Zitaten

Basierend auf meinem Buch “Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX” lesen Sie hier einige Anmerkungen zum wissenschaftlichen Zitieren, die Ihnen Zeit, Schweiß und Frust sparen werden.

  1. Nutzen Sie ein Programm, das explizit Literaturverweise unterstützt. LaTeX kann das seit Bestehen dank dem fabelhaften BibTeX und wohl kein anderes Programm hat es zu solcher Flexibilität und Stabilität gebracht.
    Auch wenn Sie Microsoft Word nutzen: In neueren Versionen von Microsoft Office (2003, 2007, 2010) gibt es auch hier endlich eine Literaturverwaltung. Sie hat zwar nicht viele verschiedene Zitierstile zur Auswahl, funktioniert jedoch sehr gut. Wenn Sie in Word schreiben (müssen), verwenden Sie die Literaturfunktion bitte.
  2. Nutzen Sie ein Programm, um in BibTeX Quellenangaben zu erfassen, um den Kopf frei von den für die jeweiligen Literaturarten erforderlichen Felder zu halten. Gute Erfahrungen habe ich selbst gemacht mit EMACS sowie JabRef. Auch die Eclipse-Lösung TeXlipse beinhaltet eine BibTeX-Funktionalität.
  3. Ihre Aufgabe beim Schreiben ist das Schreiben von gutem korrektem Inhalt. Wie die Zitate und das Literaturverzeichnis aussehen, ist zunächst egal. Das ist ja der Vorteil des programmgestützten Zitierens: Sie kümmern sich um den Inhalt, um das Aussehen das Programm. Alles lässt sich auch im Nachgang nach Ihren Vorgaben zentral anpassen.
  4. Geben Sie jedes Mal, wenn Sie eines Zitat in den Text einfügen, eine Seitenangabe mit. Sollten Sie sich später dafür entscheiden, die Seitendetails für die Verweise nicht im Text haben zu wollen, entfernt ein Makro in LaTeX oder die Suchen/Ersetzen-Funktion Ihres Editors diese leicht wieder. Für einzelne Seiten schreiben Sie in deutschen Texten \cite[S.\,32]{verweis}, also mit einem halben Leerraum, für einen Seitenbereich \cite[S.\,32--35]{verweis}, mit dem Halbgeviertstrich.
  5. Bearbeiten Sie immer dieselbe Literaturdatenbasis, benutzen also immer dieselbe .bib-Datei. Finden Sie mit Skripten oder dem Setzen von Suchpfaden einen Weg, dies sicherzustellen. Ihre künftigen Arbeiten werden viel schneller mit vernünftigen Literaturverweisen versehen sein, da Sie immer Ihre zentrale, aktuelle Datenbasis verwenden. Auch Microsoft Word kann die Literaturangaben vom einzelnen Dokument in eine zentrale Datenbasis übernehmen.
  6. Beschränken Sie sich zunächst auf Autor und Titel, wenn Sie während des Schreibens eine neue Quelle erfassen, . Auf diese Weise bleiben Sie gedanklich näher an Ihrem Text. Denken Sie jedoch daran, nach dem Schreiben noch einmal komplett durch Ihre Literaturdatenbasis zu sehen und eventuell fehlende Angaben zu ergänzen. Lesen Sie beim Kompilieren des Dokuments in der Schlussphase die Warnungen von BibTeX genau, da auch diese Hinweise über fehlende Angaben geben.
  7. Nutzen Sie die Möglichkeit, für Aufsätze mittels CiteSeer fertige BibTeX-Einträge zu bekommen und mittels Lead2Amazon, das auf Amazon zugreift, dasselbe für Bücher erzeugen zu können. Kontrollieren Sie dennoch die Angaben.
  8. Die meisten (über-)genauen Vorgaben von Universitäten und Hochschulen zum Zitieren wollen Studenten motivieren, ein ordentliches Literaturverzeichnis und saubere Verweise abzuliefern. Sollte es keinen Zitier- und Verzeichnisstil gibt, der den Vorgaben genau entspricht, nehmen Sie den ähnlichsten. Sparen sie die Zeit für voreilige detaillierte Anpassungen und fragen erst den Korrektor nach seiner Meinung. Dabei hilft freilich eher die Frage “sind die Zitate so in Ordnung” als “ich habe da was anderes gemacht, geht das auch.”
  9. Zitieren Sie nur Quellen, die Sie inhaltlich weiterbringen. Die meisten Institute und Universitäten legen mehr Wert auf Qualität und Relevanz von Zitaten als die Quantität. Wenn Sie ein wichtiges Werk unbedingt zitieren möchten, aber in Ihrem Text keine Stelle finden, an dem ein Zitat passt, dann ist das Werk entweder für Ihre Arbeit nicht relevant oder Sie haben Lücken in der Argumentation. Das jedenfalls empfehlen Bibliothekare

Gefallen Ihnen die Gedanken zum Zitieren und Sie wollen mehr über die Umsetzung in LaTeX wissen? Dann sollten Sie mein Buch “Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX” lesen, so wie schon mehr als 4000 andere Leser.

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Lesen: Eckhart von Hirschhausen – Glück kommt selten allein

Welch eine Wohltat, dieser Hirschhausen. Obgleich man ihm berechtigterweise in jüngerer Zeit eine mediale Überpräsenz vorwerfen könnte, und er mit seinem Sendungsbewußtsein durchaus aneckt, tut mir dieses Buch über Glück einfach gut. Denn es ist mit einem Augenzwinkern geschrieben, es ist persönlich, und es erweitert den Horizont. Zumindest meinen. Nebenbei, aber nicht ganz nebensächlich ist das Glücksbuch auch das am schönsten gesetzte (im Sinne von Typografie) und gestaltete (im Sinne von grafischen Ideen) Buch, das ich seit langem in Händen hielt.

So ist schon das Lesen an sich eine Wohltat, weil das Layout und die Buchqualität stimmen. Ein schöner Seitenspiegel gibt dem Auge kurze Wege und viel Halt. Originelle Piktogramme sind sparsam und bedacht eingesetzt. Treffende, teilweise skurrile Fotos ergänzen den Text und ab und an gibt es eine schön gestaltete kleine Übungsaufgabe (Hirschhausen nennt dies “Bastelbogen”). Nicht zu vergessen sind die hervorragenden Glücksmomente von Lesern, die jeweils nach einem Kapitel auf einer eigenen Seite zu finden sind, und das schöne Daumenkino mit dem Pinguin in seinem Element.

Der Pinguin ist auch das Leitmotiv des Buches: Ein Pinguin sieht an Land behäbig aus, bewegt sich langsam und ungelenk. Im Wasser jedoch ist er ein eleganter, wendiger und unglaublich effizienter Schwimmer. Wasser ist die ideale Umgebung für den Pinguin. Der Pinguin wird nie gut klettern können, an wievielen Workshops und Trainings dazu er auch teilnimmt. Jeder hat seine natürliche Umgebung, in der er gut ist. Es geht nur darum, diese zu finden.

Was aber, wenn die ideale Umgebung für einen selbst nicht die ist, die man sich immer vorgestellt hat? Dazu gibt Hirschhausen nur wenig Hilfestellung. Der Prozeß, sich mit seiner persönlichen idealen Umgebung anzufreunden, wird für manche schmerzlich sein, auch wenn sie darin viel besser bestehen können. Denn ein Pinguin, dessen größter Traum eben das Klettern auf Bäumen ist, wird davon nicht so einfach lassen wollen. Deswegen ist es hilfreich, dass das Glück nicht nur vom eigenen Wohlfühlen in der idealen Umgebung kommt, sondern auch noch aus anderen Bereichen.

Das Thema Glück gliedert Hirschhausen in fünf Bereiche:

  1. Das Glück der Gemeinschaft. Das Glück mit anderen ist hier Thema, und daß man trotzdem nicht den anderen für sein Glück verantwortlich machen kann.
  2. Das Glück des Zufalls. Glück läßt sich nicht planen. Es läßt sich nur fördern. Und manchmal kommt es unverhofft. Wer die Augen offen hält, hat mehr davon.
  3. Das Glück des Moments, des Genusses. Wer aber die ganze Zeit nur genießt, ist auch nicht glücklicher. Der Wechsel macht’s
  4. Das Glück der Selbstüberwindung. Glück kommt mit dem Tun. Kreativität und Produktivität als Quellen des Glücks, ganz nach dem Leitsatz “Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmied ist glücklich.” Aber auch “Flow” statt “Schweinehund”.
  5. Das Glück der Fülle. Hier geht es um die Muße, um das Naturerlebnis, die Stille, und Spiritualität.

Dieses Buch ist derart positiv, dass wohl manche damit hadern werden. Diese könnten sich dann überlegen, weshalb sie ein Problem mit Optimismus haben, und wie sie fremdem Optimismus selbst offener und optimistischer gegenübertreten können.

Hirschhausens Glücksbuch hat das Zeug, meinen Buchpreis “Most life-changing book 2010” zu gewinnen.

Lesen Sie dieses Buch. Es wird Ihnen gut tun.

Den Hirschhausen bei Amazon kaufen…

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Córdoba – Duisburg 1:21 (+5·10²)?

Kann man zwei Unglücke miteinander vergleichen? Der Anstand gebietet, das nicht zu tun. Eher schon läßt sich die mediale Aufmerksamkeit über das jeweilige in Relation setzen. Dennoch habe ich lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreibe; ob sich pietätvoll darüber schreiben läßt. Der Name der Stadt Duisburg ist seit letztem Woche wohl auf lange Zeit verknüpft mit der Massenpanik bei der Love Parade, den 21 Toten und 5·10² Verletzten (ich gebe diese Schreibweise an, um nur die Größenordnung, nicht aber die genaue Zahl zu nennen). Und Córdoba, also Spanien? War da was, außer daß die Fußballmannschaft Weltmeister geworden ist? Eben. Mediale Aufmerksamkeit.

In der Region um Córdoba in Spanien ist um den 20. Juli ein fünfjähriger Junge gestorben, vermutlich während seine Mutter nach einer Autopanne Hilfe holen wollte und sich verirrte. Die Mutter war mehrere Tage unterwegs, bis sie in desolatem Zustand eine Ortschaft erreichte. Sie konnte sich kaum mehr verständigen und es dauerte, bis den Helfern gewahr wurde, daß da irgendwo noch ein Kind sein mußte. Man fand den Jungen nach tagelanger Suche tot unter einem Busch. Alle Wasserflaschen, die die beiden dabei hatten, waren ausgetrunken. Der Junge ist allem Anschein nach verdurstet.

Jetzt mag man das eine ist eben einer und das andere zwanzig, und außerdem geografisch näher, doch auch der Junge und seine Mutter kommen aus Deutschland.

Ganz ehrlich: Mir als Vater geht die Meldung aus Spanien näher. So skandalös das Unglück auf der Love Parade erscheint: Auch aus Sicht der Verunglückten ist das Sicherheitsrisiko bei einer Massenveranstaltung wahrscheinlich höher als wenn ein Fünfjähriger mit seiner Mama unterwegs ist. Mann kann nun (und offizielle Stellen tun das auch) der Mutter vorwerfen, ihr Kind allein zurückgelassen zu haben, selbst wenn sie dies eventuell aus dem Antrieb heraus tat, ohne ihren Sohn schneller Hilfe holen zu können und so in Summe schneller zu helfen, doch wahrscheinlich ist: Ein Fünfjähriger war zwei Tage ganz allein, ohne Zuspruch und Nähe, er mußte allein nachts draußen schlafen, und schließlich starb er wohl allein, in der Erkenntnis, daß die Mama nicht zurückkommt. Das heißt, bevor er starb, starb wahrscheinlich zuerst sein Urvertrauen. Kleine Kinder müssen darauf vertrauen (können), daß egal wohin die Mama geht, sie immer wieder kommt.

Ich selbst war noch nie bei so einer Großveranstaltung wie der Love Parade, auch weil mich allzuviele Menschen auf engem Raum deutlich beunruhigen, und weil mir bei dieser konkreten die Musik nicht zusagt.

Warum habe ich den Post mit “1:20” betitelt? Nicht nur, aber auch weil das in etwa (Magnitude) ebenso dem Verhältnis der medialen Aufmerksamkeit der Vorgänge entspricht.

Das Córdoba-Unglück: Was lieferte SpOn? Genau drei Berichte. Nebenbei bemerkt gab es ja in der Druckausgabe vergangene Woche keine geänderte Titelseite. Über die Wikileaks-Dokumente kommt offensichtlich auch eine Massenveranstaltungspanik nicht drüber. Bild.de hat das Thema etwas mehr ausgeschlachtet, wobei hier Quantität wie üblich nicht unbedingt Qualität bedingt: Insgesamt sind bis heute acht Artikel darüber erschienen.

Nun die Love Parade: auf SpOn finden sich so viele Artikel, dass eine Zahl ohne Bedeutung ist, sondern eher die Themenseite einen Eindruck verschafft. Google News sagt es seien bis heute 31. Für Bild.de sind es laut Google News 144.

Und die Blogosphäre? Das ist etwas ganz anderes. Da finde ich es noch viel natürlicher, dass das Unglück auf einer Veranstaltung mit vielen Menschen entsprechend viele Menschen beschäftigt. Viele dieser Menschen waren vielleicht selbst dabei oder kennen jemanden. Die Zahlen allein, die etwa Googles Blogsuche für Duisburg hergibt, liegt bei fast 2500, darunter natürlich auch prominente Blogs wie Johnny Haeusler, der wunderbar verdeutlicht, warum das im Internet eben ein “Buzz” entsteht, bei Stefan Freise oder auch bei Sascha Lobo, der meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf trifft.

So verwundert es mich auch nicht, dass die Blogsuche für den verdursteten Jungen zwar an die 60 Treffer liefert, die meisten davon jedoch in Online-Magazinen oder Webseiten von Zeitungen logieren.

Was bleibt? Zwei tragische Begebenheiten. Vielleicht tröstet die Angehörigen der Duisburg-Opfer ja, dass im Vergleich zu dem fünfjährigen Jungen bei der Love Parade niemand mutterseelenallein nach Tagen sterben mußte. Herzliches Beileid deswegen den Angehörigen aller Opfer, und natürlich auch denen der rein statistisch gesehen 75 Verkehrstoten diese Woche. Jedes solches Unglück ist eines zu viel, egal ob junge Leute feiern oder ein Kind mit seiner Mama beim Wandern ist.

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E-Post oder wenn Plagiarismus auf Datensammelwut trifft

Um’s kurz zu machen: Kein Mensch Bürger braucht E-Post. Denn was soll einer der Hauptvorteile davon sein? Dass man sichergehen kann, dass derjenige, dem man schreibt, auch der richtige ist. Und andersherum dass der Sender einer Mail ebenfalls eindeutig zu identifizieren ist. Meine Herren und Damen, das gibt’s schon. Sogar in Programmform, heißt Pretty Good Privacy und gibt’s auch als GNU Privacy Guard für umsonst und frei. Bloß nicht in dem schicken Gelb wie bei der Post.

E-Post ist laut Kleingedrucktem unbenutzbar“, wie Holger Köpke feststellte, nicht nur weil teuer und mit 95% Verfügbarkeit eventuell gute zwei Wochen im Jahr nicht erreichbar, sondern auch noch mit einer Abrufverpflichtung versehen (sehr schön aufgegriffen von Markus Beckedahl) und mit Spamgarantie. Und nicht zuletzt natürlich auch mit Herausgabe von Daten an Behörden, die dies eventuell wollen. Jens Scholz macht sich denn auch Gedanken über die Auswirkungen auf die Vertraulichkeit solcherart übertragener Nachrichten.

Es werden trotzdem Heerscharen diese Dienste nutzen, einfach deshalb weil’s die Deutsche Post anbietet. Und das hat ja schon fast was notarielles. Ich finde den Dienst einfach nur deshalb überflüssig, weil’s das im Prinzip schon gibt. E-Post ist ein Plagiat, nur leider ein schlechtes.

Die seit langem verfügbare Möglichkeit, Nachrichten per PGP/GnuPG zu unterzeichnen, und PGP-Schlüssel bei einer entsprechenden Stelle verifizieren zu lassen, ist jedoch leider der Mehrzahl der Internetnutzer nicht bekannt. Dabei wird der öffentliche Schlüssel, den man sich generiert hat, an eine Zertifizierungsstelle übertragen und auf verschiedene Weisen sichergestellt, daß der Schlüssel auch wirklich zur jeweiligen Person gehört.

Und die Sache mit der Schlüsselzertifizierung wäre auch die elegante Lösung: Die Vorgehensweise des Postident ist ja auch hier anwendbar: Dann ginge man eben mit dem Fingerabdruck seines öffentlichen Schlüssels und dem Personalausweis zur Post, um sich zu einmalig zu identifizieren. Und von mir aus fördert man diese Zertifizierungsstelle dann öffentlich. Das dürfte sogar die Post selber sein.

Freilich müßten diese Zertifizierungsstellen dann noch per Gesetz anerkannt von allen Behördern sein. Wäre aber wahrscheinlich zu einfach…

Ein Gegenargument könnte sein, dass tausende Nutzer dann aber ihre privaten Schlüssel entweder verschlampen oder veröffentlichen könnten. Dassselbe passiert aber auch mit den Zugangsdaten zur E-Post. (Ich bin ja schon lange für ein Fach “Medien- und Internetkompetenz” an Schulen, Berufsschulen und Unis und von mir aus bei der Einbürgerung, aber das wäre wohl ein anderes Thema…)

Was bleibt? Ein Versuch mehr, neben einer frei und kostenlos verfügbaren Technologie eine weitere mit weniger Leistung, dafür aber kostenpflichtig zu etablieren. Gegen das kostenpflichtig hätte ich noch gar nichts, ich würde sogar eine geringe Jahresgebühr für einen zertifizierten Schlüssel zahlen, wenn mir dieser einige Behördengänge und Briefe ersparen könnte.

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Gelesen: Thorsten Havener – Ich weiss, was du denkst

Thorsten Haveners Buch ist sehr viel besser, als der Titel vermuten lässt. Gut verständlich führt er in die Tradition der Gedankenleser ein, erklärt Prinzipien der Wahrnehmung und Signale des Körpers und gibt – wo angebracht – weiterführende Literaturhinweise. Mir gefällt der positive Grundton des Buches.

Hier geht es nicht darum, einen Vorteil aus genauem Beobachten zu ziehen, sondern dem Leben eine positive Seite abgewinnen zu können. Gleichzeitig schärft es die Sinne für die Tricks und Verführungen in Werbung und Verkauf, die einem in der modernen Welt begegnen.

“Die Welt ist das, wofür wir sie halten”, mit dieser Kapitelüberschrift beginnt Havener sein Buch und erläutert darin, wie sehr sich Wirklichkeit und unsere Wahrnehmung ihrer unterscheiden können, und wie sich unsere Wahrnehmung wiederum auf unser Tun auswirkt. Darüber gibt es übrigens ein schönes Buch von Paul Watzlawick, welches ich in einem früheren Beitrag besprach.

Im nächsten Kapitel geht es um die Wechselwirkung von Gedanken und Aktionen des Körpers, und damit einen Kernbereich, den Havener für seine Kunst des “Gedankenlesens” nutzt. Jeder Körperteil spiegelt das Denken auf seine eigene Weise wider. Havener bietet in jedem Kapitel auch kleine Übungen und Selbstversuche, um das Gelesene am eigenen Leib zu erfahren.

Nach diesen Grundlagen geht es an die verschiedenen Formen der Suggestion und damit auch das bewußte Nutzen der obigen Wechselwirkungen bei sich selbst und anderen. Dabei verwendet Havener sowohl bewußte verbale Sprache als auch Körpersprache, um bestimmte Reaktionen hervorzurufen.

Es schließen sich drei kurze Kapitel an, welche einen Ausblick auf die weiteren Möglichkeiten geben wie etwa Mentaltraining. Noch wichtiger ist ihm aber das bewußte Leben, die positive Grundhaltung und das Denken außerhalb der ausgetretenen Pfade und Straßen. Havener lädt seine Leser ein, wach und aufmerksam durch Leben zu gehen und seinen Mitmenschen wohlgesonnen zu begegnen, und auf Pläne konkrete Taten folgen zu lassen. Denn so wird auch das eigene Leben bereichert. Und das, denke ich, ist eine erstrebenswerte Grundhaltung.

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Eine gute Baustelle: A8 Augsburg-München

Niemand mag Baustellen, außer vielleicht Baufirmen. Insbesondere trifft dies auf Straßenbaustellen zu. Wenn ich durch eine solche fahre, hilft mir meist der Gedanke, dass eine Baustelle normalerweise das Ziel hat, den Zustand zu verbessern, so daß der Verkehr nach Abschluß der Arbeiten besser läuft als im Urzustand. Während der Arbeiten herrscht meist Frust, Stau, Überforderung. Ein positives Gegenbeispiel möchte ich hier anbringen: Die A8-Baustelle zwischen Augsburg und München.

Warum schreibe ich eigentlich von Autobahn, wo ich doch Bahnfahren propagiere? Na, ich habe den Luxus, auf meinem viel zu langen Arbeitsweg zwischen beiden Verkehrsmitteln wählen zu können, und wäge dafür Zeit gegen Bequemlichkeit ab.

Gestartet Anfang 2007, ist sie mit über 40km Gesamtlänge eine der längsten der Republik. Was ist das Ziel? Die A8 wird von 4 auf 6 Spuren verbreitert und mit Standstreifen versehen. Im Endeffekt ist dies ein Neubau, da die alte Fahrbahn nicht mehr zu verwenden ist.

Autobahnbaustellen sind nun meist eng, mit zuwenig Spuren, überraschend, dauernd wechselnd, schlecht angekündigt, mit gefährlichen Löchern, schlecht gestellten Baken und dem Gegenverkehr auf wenige Zentimeter Nähe ohne was dazwischen.

Ganz anders diese Baustelle. Durchgehend vierspurig, finde ich die einzelnen Fahrstreifen komfortabel breit. Besonders positiv finde ich die Überleitungen von einer Seite auf die andere, die sehr sanft geschwungen sind und somit ohne Bremsen durchfahren werden können (Meine Bitte an die Autobahnmitbenutzer: Dann tut das auch!). Sperrungen von Anschlußstellen werden lange vorher angekündigt durch mehrere Schilder, und vor allem bei den neuralgischen wie Augsburg West und Ost auf ein bis zwei Wochen beschränkt.

Die Arbeiten schreiten meines Erachtens nach sehr gut voran, mittlerweile kann man an zwei langen Stellen schon auf sechs Spuren fahren. Und Ende 2010 soll eh alles fertig sein, und das schaffen die Jungs bestimmt.

Das heißt nicht, dass es nicht des öfteren lang dauert: Immer dann, wenn im tragischsten Fall jemand nicht aufpaßt, zu nah auffährt, einen Spurwechselfehler begeht und schließlich einen Unfall verursacht. Im mittleren Fall, wenn jemand eine Panne hat (Tankt halt rechtzeitig!), und im schwächsten, wenn sich ein PKW-Fahrer nicht am Lastwagen vorbeitraut und trotzdem penetrant auf der linken Spur bleibt (Jeder darf so langsam fahren wie er will, soll das aber dann bitte auf der rechten Spur tun).

Deshalb möchte ich an dieser Stelle den Baufirmen für diese meinem Empfinden nach vorbildliche Baustelle danken. Und der Polizei, die vernünftig und mit Augenmaß kontrolliert. Baustellen sind ein notwendiges Übel, damit’s nachher besser ist als vorher. Und währenddessen kann man es so angenehm machen wie hier geschehen.

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